Seniorenhilfe Dietzenbach e.V.
Spaßiges Wissen
Beide geben, beide nehmen!
Die Pflanzen der Gattung Nepenthes, der Kannenpflanzen, sind in den Tropen, Baumärkten und bei Dehner heimisch. Sie bilden merkwürdige kannenförmige Strukturen aus, die obendrein noch einen Deckel haben. Der Deckel verhindert, dass Regen den Inhalt der Kanne verwässert. Der obere Kannenrand ist meist etwas nach innen gewölbt und ebenso wie das Innere der Kanne sehr glatt. Insekten können sich auf diesen Flächen nicht halten, sie rutschen in die Kanne und werden in der sauren, enzymhaltigen Flüssigkeit auf dem Grund der Kanne verdaut. Die Kannenpflanzen sind also fleischfressende Pflanzen, weshalb der Botaniker Carl von Linné sie als „gegen die gottgewollte Ordnung der Natur verstoßend“ bezeichnete;
so etwas tun anständige Pflanzen nämlich eigentlich nicht.
Nun ist diese Rutschpartie nicht immer tödlich für die Insekten, zumindest nicht für die Ameise Camponotus schmitzi (es spricht einiges dafür, dass ein Deutscher die Art entdeckt hat). Campi, wie wir sie liebevoll nennen wollen, spaziert den glatten Rand hinunter und fischt in der trüben Verdauungsbrühe nach brauchbaren Überresten weniger geschickter Kollegen, aber auch nach Mückenlarven, deren Mütter sich diese Suppe als Lebensraum für ihre Kinder vorgestellt hatten. Campi hat weiterhin Spaß am angebotenen Nektar und sie kann ihren Nachwuchs in speziellen Blattverdickungen der Kannenpflanze aufziehen. Die Kannenpflanze wiederum profitiert von Campi, weil diese sich über bestimmte Rüsselkäfer hermacht, die die jungen Blätter der Pflanze unter Vortäuschung von Hunger zerstören wollen. Sie geht auch mal aufs Klo in der Kanne und diese Mineralien kann die Pflanze allemal besser gebrauchen als die von ihr nicht resorbierbaren Proteine, die Campi ihr da so reichlich liefert.
Es ist noch völlig unklar, warum Campi nicht wie die anderen in die Kanne rutscht. Um das zu klären, müssen vermutlich noch viele Füßchen unter das Elektronenmikroskop! Also:
- Auch und gerade sehr unterschiedliche Partner können sich sehr gut ergänzen
- Der jeweilige Nutzen voneinander ist nicht immer gleich auf den ersten Blick zu erkennen
- Bei der Suche nach eventuellen Vorteilen solcher Partnerschaften sollte man alle, auch absurd erscheinende Möglichkeiten prüfen.
Das oben Gesagte ist natürlich nicht, also wirklich gar nicht, auf menschliche Paare übertragbar!
Text: Dr. Ludger Beckmann
Bild: Hans Breuer, Nepenthesbicalcarata1, CC BY 2.0